Das Haus

Wohnsinn zwischen den Zeiten

Jedes Haus bewahrt die Leben der Menschen, die es bewohnt haben. Ihre Hände haben Spuren hinterlassen, an den Türen wie in der Bemalung. Diese Zeichen achtsam zu erhalten, das Haus mit neuem Leben und neuer Kunst zu füllen und wohltuenden Wohnraum zu schaffen, haben wir uns vorgenommen. Der kleine Bauerngarten profitiert von der gespeicherten Wärme der alten Steinmauern und schafft einen blühenden Rahmen.

Wohnzimmer

Die Stube ist das Herz des Bauernhauses und bietet Raum für gemütliche Mahlzeiten und gute Gespräche.  Die Aussicht zeigt die Kirche St. Ulrich und den Ortlergletscher. In den strengen Wintern machten die holzgetäfelten Wände den geheizten Raum zum Treffpunkt für die Familie. Die Fenster mit den Laibungen lassen viel Licht herein und möglichst wenig Wärme hinaus. Eine schlichte Täfelung erzählt vom Wunsch der BewohnerInnen, ihr Haus zu schmücken. Es gibt zwei Phasen der Bemalung, die beide erhalten aber nicht restauriert wurden. Die Rosen und das Fassaner Blau stammen von den Wandermalern aus dem Fassatal im 19. Jahrhundert. Die Malerei, die die Holzmaserung nachahmt, galt in den 1930er Jahren als schön und wurde nur von wenigen Malern beherrscht. Der gemauerte Ofen ist geblieben und wurde durch eine Zentralheizung ergänzt. Mehrere Bodenbeläge wurden bis auf den ältesten Bretterboden abgetragen, der noch die Brandspuren des Dorfbrandes von 1862 zeigt.  Der alte Lampenschirm aus Murano-Glas hing früher in der Küche. Das Ölbild ist von Christine Gallmetzer.

Küche

 Die Küche mit Blick auf den kleinen Bauerngarten und den Nachbarstadel mit der schönen Steinmauer hat viel zu erzählen. Die rußgeschwärzte Deckenwölbung ist von der Selchküche geblieben, in der Speck und Würste geräuchert wurden. Die charakteristischen Mauernischen enthielten den Vorratsschrank, der durch die Steinwände auch im Sommer gekühlt blieb. Da der alte Schrank bis auf die Schubladen leider nicht mehr da war, wurde die Nische mit Altholz aus dem Haus zu einem Regal für Geschirr und Küchengerät. Das Keramikwaschbecken und der Holzherd, der zum Heizen und Kochen diente, wurden durch einen neuen Herd mit Backrohr, einen Geschirrspüler und einen Kühlschrank ergänzt. Die Glaslampe hing früher im oberen Stock, auch Tisch und Stuhl gehören zum Haus. Der Stubenofen wird von der Küche aus befeuert und das Kaminrohr dient wie früher als zusätzliches Heizelement.  Die beiden Bilder sind von Ulrich Egger und Ruth Gamper.

Schlafzimmer

Das Haus bietet drei Schlafzimmer, ein Doppel- und zwei Einzelschlafzimmer für vier Personen.

Das Doppelschlafzimmer im ersten Stock diente früher als Stube für die obere Wohneinheit. Durch die Realteilung im Zuge von Erbschaften wurden die Häuser im oberen Vinschgau oft mehrmals geteilt. Die Familien lebten auf engstem Raum, und die Küchen wurden von mehreren Parteien im Haus genutzt. Die gemeinsamen Räume wurden durch Durchgangsrechte geregelt. Auch in diesem Haus gibt es im Keller ein Durchgangsrecht für die Nachbarn, das in die ehemalige Mehlkammer des Bäckerhauses führt.

Im Schlafzimmer ist die Täfelung noch schlichter, und nur die Laibungen sind in den charakteristischen Blau- und Grüntönen gestrichen, die angeblich Insekten abhalten sollten. Der Jugendstilschrank stammt wahrscheinlich aus der genormten Zimmerausstattung in einem der beiden Grandhotels in Sulden oder Trafoj.

Heute lässt es sich hier gemütlich im Bett lesen oder das Feuerkino im Ofen betrachten. Die Bilder in diesem Raum sind von Robert Bosisio.

 

Badezimmer

Zwei Stufen führen ins heutige, großzügige  Bad, hier war früher die Küche der oberen Wohneinheit, die von außen über eine Holztreppe und den kleinen Balkon zugänglich war. Der Zementboden durfte bleiben und wurde nur behandelt. Der Naturstein hinter der Dusche und Badewanne heißt Plima und wird aus Findlingen im Bach des nahen Martelltales geschnitten. Die Bilder im Bad sind von Karl Plattner und Annemarie Laner.